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Zukunft bauen, ganz konkret

14. September 2026
Von Mark Riklin


GOLDINGEN – Acting outside the Box. Raus aus den gewohnten Räumen, rein ins Tun: Zwei Tage lang verlassen Jugendliche des Grundlagen-Jahres des Talent-Campus Zürichsee den Schulalltag und packen dort an, wo ihre Arbeit unmittelbar sichtbar wird. Auf dem Gelände des Vereins Goldiesli bauen sie ein Baumhaus, errichten einen Zaun und legen eine Benjes-Hecke an. Sie lernen mit Kopf, Hand und Teamgeist.

Fünf Meter Bretter, ein gemeinsames Ziel
Vor ihnen steht der Rohbau eines Baumhauses. Der Boden ist fertig, das Dach steht mehrheitlich. Heute sollen die Wände hochgezogen und das Dach fertiggestellt werden, damit das Baumhaus noch am Abend als Nachtquartier genutzt werden kann.

Nach einer kurzen Einführung von Benjamin Schindler, ausgebildeter Schreiner und Arbeitsagoge, geht es los. Fünf Meter lange Fichtenholzbretter werden abgeladen, auf die Plattform gehievt und mit der Tischkreissäge auf die richtige Länge zugeschnitten. Wände werden hochgezogen, Teile des Treppengeländers gefertigt.

Auf engstem Raum spielen sich die Abläufe ein. Handgriffe werden koordiniert, Aufgaben verteilt, Lösungen gemeinsam gefunden. Teamarbeit ist nicht einfach ein Lernziel, sondern Voraussetzung dafür, dass es vorwärtsgeht.

Was gemeinsam möglich wird
Am Abend ist das Nachtlager fertig. Das Ergebnis ist sichtbar und mit den eigenen Händen geschaffen. «Wir sind weitergekommen als gedacht», sagt eine jugendliche Baumhausarbeiterin. Die Gruppe ist sich einig: Was alleine unmöglich scheint, geht gemeinsam erstaunlich gut.

Noch etwas bleibt hängen: Körperliche Arbeit tut zwischendurch ganz gut. Und der Blick auf Berufe wie Schreiner, Gärtner oder Bauarbeiter verändert sich. Wer selbst Bretter schleppt, sägt und montiert, bekommt eine Ahnung davon, was hinter solcher Arbeit steckt.

Weiterbauen an der Vision
Das Baumhaus ist Teil einer grösseren Vision. Der Verein Goldiesli will ein Kompetenzzentrum für Menschen mit Unterstützungsbedarf in wichtigen Übergangsphasen ihres Lebens aufbauen. Sobald die Baubewilligung vorliegt, soll auf dem Gelände weitergebaut werden. Das Baumhaus wird später als Pausenraum für die Wald-Spielgruppe dienen.

Für die Jugendlichen ist es zunächst einmal ihr selbst gebautes Nachtquartier.
Am nächsten Tag geht die Arbeit weiter. Ein Zaun entsteht, damit die Kühe vom Garten ferngehalten werden. Daneben legen die Jugendlichen eine Benjes-Hecke an, die Igeln und anderen Kleintieren Lebensraum bieten soll.

Lernen durch Erleben
«Lernen durch Erleben und durch Engagement, auch Service Learning genannt, ist eine wichtige Methodik im Fach Future Skills», sagt Regula Immler, Leiterin der Future Skills Ausbildung am Talent-Campus Zürichsee. «Service Learning fördert die Gemeinschaft, die Selbstwirksamkeit und das Verständnis, dass Zukunft gestaltet werden kann.» Genau das wird während dieser zwei Tage erfahrbar. Die Jugendlichen erleben nicht nur, dass sie etwas können. Sie erleben auch, dass ihr Tun für andere einen Unterschied macht.

Einfach anfangen
Für Regula Immler liegt darin die eigentliche Bedeutung des Projekts: «An einer Vision teilhaben zu können. Mitzuerleben, wie ein Pionier ins Gelingen seiner Vision vertraut. Und einen kleinen Teil zur Umsetzung einer grösseren Vision beitragen zu können.»

Zwei Tage lang an einer Vision mitzubauen, sei sehr wertvoll, sagt sie. Wortwörtlich. Denn manchmal braucht es nicht zuerst einen perfekten Plan. Sondern Mut und Tatkraft, einfach anzufangen, statt darauf zu warten, dass irgendwo irgendwann das Erwünschte auftaucht.

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21.09.2026, 18:30-20:00
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