Traumberuf Konzertpianistin


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Bereits im Alter von 3 Jahren hat Caterina Mitsu Garcia mit dem Klavierspielen begonnen. Inzwischen 15 Jahre alt, hat sie einen grossen Traum: Konzertpianistin werden. Der Talent-Campus Zürichsee bietet dem Klaviertalent ideale Rahmenbedingungen, um Matura und Talentförderung unter einen Hut zu bringen. Eine zufällige Begegnung mit der jungen Pianistin.

Von Mark Riklin

RAPPERSWIL-WURMSBACH – Meinen Schreibplatz habe ich für einen Tag vom Appenzellerland an den Talent-Campus Zürichsee verlegt. Ich sitze in einem Raum des ehemaligen Internatsgebäudes, mein Blick wandert über Ufer, Wasser und Hügelzüge auf der gegenüberliegenden Seeseite. Als mich beschwingte Klavierklänge in die Aula lotsen, treffe ich auf eine junge Pianistin, die mich in ihren Bann zieht: Ihr Spiel ist derart virtuos, dass ich Augen und Ohren kaum zu trauen vermag.

Bezauberndes Spiel

Caterina Mitsu Garcia stellt sie sich vor, als ich mich dem weissen Steinway-Flügel nähere und für ihr bezauberndes Spiel interessiere. In atemberaubendem Tempo übt sie Passagen aus Mozarts 12. Klavierkonzert in A-Dur, KV 414. Zwischendurch hört sie sich auf ihrem iPad eine Aufnahme des Konzertes an, um den Orchesterpart einzustudieren, tippt mit den Fingern im Rhythmus, bevor sie ein weiteres Mal über die Tasten gleitet, als wäre dies die einfachste Sache, die man sich vorstellen kann, ein Kinderspiel eben.

Massgeschneiderter Stundenplan

Fünf bis sechs Stunden pro Tag sitze sie am Klavier, erzählt Caterina. In ihrer alten Schule habe sie keine Chance gehabt, Leidenschaft und Schule unter einen Hut zu bringen. Vor einem halben Jahr ist sie deshalb ins Gymnasium des Talent-Campus Zürichsee eingestiegen und überglücklich, weil sie sich hier auf Konzerte und Wettbewerbe vorbereiten kann. «Der massgeschneiderte Stundenplan wurde auf meine Bedürfnisse angepasst, zweimal pro Woche komme ich erst gegen Mittag und nutze die Morgenstunden, um Stücke auswendig zu lernen. Willkommener Nebeneffekt: «Ich komme nie mehr müde nach Hause!», sagt Caterina.

Musikerfamilie

Ich frage um Erlaubnis, noch ein bisschen zuhören zu dürfen, mit gebührendem Abstand natürlich. Und schätze mich glücklich, diesen wunderbaren Moment geniessen zu dürfen. Ein unverhofftes Konzert, nur für mich. Keine Frage, Caterina muss ein ausserordentliches Talent sein. Musik gehört in der Familie Garcia zum Leben, wie ich später erfahren werde. Vater Thomas Garcia, Mitglied der ersten Violinen des Tonhalle-Orchesters Zürich, entstammt einer argentinischen Musikerfamilie. Mutter Mariko Takahashi Garcia, geboren in Japan, ist als Pianistin, Cembalistin und Organistin im In- und Ausland tätig.

Mehrfache Preisträgerin

Dieses kulturelle Erbe hat abgefärbt. Neben den Eltern sind mittlerweile auch die Kinder erfolgreiche Musiker: Caterina Mitsu (15) als Pianistin, ihr Bruder Eduardo Akira (12) als Geiger. Beide sind Preisträger des schweizerischen Jugendmusikwettbewerbs und weiterer Nachwuchs-Contests, im italienischen Verona erzielte Eduardo den 1. Preis, Caterina den 1. Preis mit Auszeichnung. Caterina ist zielstrebig, topmotiviert und hat einen Traum, auf den sie mit grossem Engagement hinarbeitet: in die Fussstapfen der Eltern treten und Konzertpianistin werden. Einmal wöchentlich fahre sie deshalb nach Genf, wo sie ihre Lehrerin zwei bis drei Stunden unterrichte.

Das erste Jahr in zwei Jahren

Gleichzeitig möchte sie die Matura anstreben. Um mehr Zeit für ihre Leidenschaft zu haben, will sie Druck rauszunehmen und den Stoff des ersten Jahres auf zwei Jahre verteilen, sprich sich im ersten Jahr auf Geschichte, Mathe und Sprachen konzentrieren und die naturwissenschaftlichen Fächer noch bei Seite lassen. Gleichzeitig bleibt Zeit, in Lernstrategien und Methodenkompetenz zu investieren. «Im Coaching kommen die beiden Welten zusammen», sagt Katarina Gromova, Lernhaus-Leiterin und Coach von Caterina. So habe der Leitsatz «Wage, wovon du träumst» auch zur Folge, dass Caterina nicht nur beim Klavierspielen, sondern auch beim Geschichtsvortrag über ihre Grenzen springe. Eine Herangehensweise, die Sinn macht und bisher voll aufzugehen scheint.